Förderverein Kurort Bad Saarow e.V.
Das Buch (jetzt 3. Auflage) entstand nach einer Zeitungsfolge von Reinhard Kiesewetter, Herausgeber Förderverein Kurort
Bad Saarow e.V. (Lutz Storr, Enrico Greiner) 2002. Es beinhaltet ein bildliches Inhaltsverzeichnis, eine
Ortskarte mit Lage der Häuser, 130 Bilder, 60 Häuserge- schichten und einen Personenregister (390 Namen).
Es ist für 9,00 € in der Gästeinfo Bad Saarow, oder im Buchladen Bad Saarow zu erhalten.
"Wer die Häuser in der Uferstraße vergleicht, wird kaum auf die Idee kommen, dass vier davon durch denselben Architekten (Glantz) entworfen wurden. Er gehörte der modernen Richtung an. Die eigenwillige Dachgestaltung entstand ohne Dachsparren, durch eine wabenförmige Brettverbindung. Der Zimmermeister Prömmel aus Storkow hat mehrere dieser Dächer gebaut. Anfang der 20er-Jahre hat der Fondsmakler Paul Zeidler sich sein Haus bauen lassen. Sein Sohn hieß Rolf und seine Frau Lotte und so prangten in großer weißer Schrift die Anfangsbuchstaben "PAROLO" am Giebel der Villa. Zeidler besaß ein Motorboot und war ein begeisterter Motorsportler. Manchmal gab es auch Ärger, wenn er über den See donnerte. Im Jahre 1931 gründete er den Sport-Club Bad Saarow (S.C.B.S.), dessen Vorsitzender er auch war. Die erste große Veranstaltung war die Scharmützelsee-Staffel zum 25-jährigen Bestehen der Gemeinde. Sechs Mannschaften nahmen am 5. Juli 1931 daran teil. Bei den 22 Wechseln waren Kinder, Jugendliche, Männer und Damen als Läufer beteiligt. Außerdem waren Etappen mit Rad fahren, Reiten, Faltbootfahren, Skullen und Schwimmen zu bewältigen. Es war ein absoluter Höhepunkt der Festveranstaltungen. Ende 1931 gehörten bereits 156 Mitglieder dem Verein an, darunter 16 Schüler. Besonders förderte Zeidler die Fußballmannschaft. Hatte sie ein Spiel gewonnen, dann zeigte sich Zeidler als großzügiger Spender bei der anschließenden Feier im Saarower Bahnhofshotel. Nach 1933 wurde Paul Zeidler als Jude nicht mehr als würdig befunden, den Verein zu leiten. Bei den Pogromen im Jahr 1938 wurde er kurzzeitig verhaftet. 1939 verkaufte er sein Grundstück an den Inhaber der Gaststätte "Zoo- Quelle" Berlin Willi Seidlitz. Paul Zeidler ging schließlich nach Shanghai, weil das zu dieser Zeit noch ohne Visum möglich war. Von dort aus reiste er dann nach Amerika, wo Einwanderer jedoch nicht gern gesehen waren. Mit seinem Sohn hatte er dort eine Gaststätte. Das Verhältnis zu ihm war aber nicht gut, weil dieser Einerseits nicht strebsam war und der Vater andererseits Vorurteile gegen seine Schwiegertochter hatte, die eine polnische Jüdin gewesen ist. Von den vier Schwestern Zeidlers ist eine umgebracht worden. MOZ Juni 99